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13. Juli 2024
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SPD-Ratsfrau Julia Klevin soll Thomas Kufens Herausforderin bei der Oberbürgermeisterwahl in Essen werden

Der Vorstand der Essener SPD hat am Montagabend einstimmig Julia Klewin als Kandidatin für die OB-Wahl 2025 empfohlen. Die 40-jährige Ratsfrau und Vorsitzende des Ortsvereins Rüttenscheid bekam alle Stimmen der 15 anwesenden Vorstandsmitglieder. Klewin wird sich somit mit dem klaren Votum der Parteiführung bei den Delegierten des Nominierungsparteitags am 23. Mai bewerben. Man kann also davon ausgehen, dass sie die Herausforderin des amtierenden Oberbürgermeisters Thomas Kufen wird. Hut ab! Wir haben da mal ein paar Fragen…

Der SPD-Parteivorstand hat eine formale Empfehlung zum OB-Wahlkandidaten 2025 gegeben: Sie sollen es werden. Wie groß ist die Freude?
Ich freue mich sehr über das Vertrauen des Vorstands. Das einstimmige Votum ehrt mich und gibt mir Kraft für die nächsten Wochen. Denn das ist natürlich nur der erste Schritt. Der nächste und noch wichtigere wird der Parteitag. Bis dahin möchte ich die Genossinnen und Genossen überzeugen, dass es Zeit ist für neue Ideen in unserer Heimatstadt.

Die Kandidatur wird dann auf einem Parteitag am 23. Mai bestätigt, ca. 17 Monate vor der Wahl. Warum so spät? Wollte niemand gegen Thomas Kufen antreten und reicht die Zeit noch, um Sie als Herausforderin beim Wahlvolk bekannt zu machen?
Eine Kandidatur macht man nicht mit einem Fingerschnipp. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig. Deshalb habe ich die Zeit intensiv genutzt, um mich auf diesen Schritt vorzubereiten. 17 Monate sind früh genug, um sich bekannt zu machen und nicht zu früh, um verbrannt zu werden.

Eine SPD-Frau an der Stadtspitze, wenn auch ehrenamtlich, gab es mit Annette Jäger bereits. Setzt die SPD also auf Frauen-Power für Essen?
Wir setzen auf Kompetenz und neue Ideen. Haben Sie eigentlich schon mal von einem „Power-Mann“ gehört? Vielleicht ist es 2024 Zeit, neue Begriffe für Frauen zu finden, die sich Spitzenpositionen zutrauen. Wir wollen den Essenerinnen und Essenern einen klaren Gegenentwurf zur aktuellen Politik anbieten. Denn es reicht nicht mehr, die Gegenwart nur irgendwie in Schach zu halten – wir müssen endlich die Zukunft gestalten.

Die vergangene OB-Wahl hat Thomas Kufen deutlich gewonnen. Zudem gilt er in Essen als beliebt und hat den Amtsinhaber-Bonus. Wie und mit welchen Themen will die SPD im Wahlkampf punkten?
Essen wird unter Wert regiert. Statt Probleme zu lösen, wurde die OB-Etage in eine Medienzentrale umgebaut, die am laufenden Band schöne Bilder produziert, die mit der Wirklichkeit vieler Menschen in unserer Stadt wenig zu tun haben. Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, erkennt sofort die weite Kluft zwischen den einzelnen Stadtteilen. Und damit meine ich nicht nur die A40: Während einige Viertel aufblühen, kämpfen andere mit der Vernachlässigung. Trostlose Plätze, marode Schulen, fehlende Kita- und OGS-Plätze, mangelhafte Straßen – als Sozialdemokratin und vor allem auch als Lehrerin an einer Gesamtschule im Essener Norden finde ich das unerträglich. Jedes Kind verdient eine erstklassige Bildung; jeder Mensch eine sichere und gepflegte Nachbarschaft. Essen darf kein Flickenteppich sein, bei dem die einzelnen Teile nur noch von losen Fäden zusammengehalten werden. Ich wünsche mir eine Stadt, in der auf schön gestalteten Plätzen das Leben pulsiert und in der die Teilhabe an diesem Leben unabhängig von Einkommen oder Herkunft gewährleistet ist. Dafür trete ich an und werde in einen Wahlkampf gehen, der sowohl die Rentnerin auf dem Wochenmarkt anspricht als auch den Schüler, der sich an der Haltestelle auf TikTok die Zeit vertreibt.

Kommunal- und Bundestagswahl könnten im Herbst 2025 am gleichen Tag stattfinden. Besteht dann nicht die Gefahr, dass für die Wähler die bundespolitischen Themen im Vordergrund stehen und Einfluss auf das Kreuzchen im Kommunalwahlkampf haben?
Vergangene Wahlen haben gezeigt, dass die Wählerinnen und Wähler durchaus zwischen den verschiedenen Ebenen unterscheiden und die Ergebnisse bei Kommunalwahlen nicht immer deckungsgleich mit den Trends der Bundepolitik sind. Schauen Sie sich zum Beispiel die Grünen bei der OB-Wahl 2020 an: Sie konnten den Positivtrend nicht für ihr Ergebnis nutzen. Ich bleibe dabei: Alles ist drin.

Schlechte Umfragewerte für Kanzler Scholz und die SPD insgesamt. Wie wollen Sie die Genossen in Essen für einen Kommunalwahlkampf auf Hochtouren heiß machen?
Als sozialdemokratische Oberbürgermeisterin werde ich mich für eine gerechtere Verteilung der Ressourcen in Essen einsetzen. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die wirklich alle Menschen in den Blick nimmt und ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Heimat anspricht. Für all das werde ich mit meiner ganzen Kraft Wahlkampf machen. Ich bin überzeugt, dass meine Genossinnen und Genossen dafür gemeinsam mit mir kämpfen werden. Unsere Stadt hat es verdient, besser regiert zu werden. Sie können sich sicher sein: in diesem Punkt sind wir uns in der Essener SPD einig.

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