Essen-Freisenbruch: AWO-Ortsvereinsvorsitzende Ingrid Kraemer sieht die Bürgerhaus-Sanierungsdauer kritisch

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Der AWO-Ortsverein Oststadt gilt als der aktivste in Essen. Über 150 Gäste kamen vor dem Sanierungsbeginn des Bürgerhauses Oststadt regelmäßig zu den Tanznachmittagen, Sommer- und Weihnachtsfesten. So viel „Action“ ist nur möglich, wenn man auf großes ehrenamtliches Engagement bauen kann. Wie schafft das die Ortsvereinsvorsitzende Ingrid Kraemer – vor allem jetzt, da das Ende der Bürgerhaus-Sanierung in weiter Ferne scheint?

Volle Donnerstag-Nachmittage, sehr gut besuchte Sommer- und Weihnachtsfeste, viele Tagesausflüge – wie schafft es der Ortsverein, das ganze Jahr über so beliebt zu sein?
Ingrid Kraemer: Das liegt daran, dass wir den Menschen nicht nur einfach Aktivitäten anbieten, sondern dass wir auch auf sie eingehen. Bei uns herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, da werden auch einmal die Alltagssorgen besprochen, da wird geschaut, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Um das so anzubieten, muss man ein starkes ehrenamtliches Team haben und darauf bin ich sehr stolz. Ich kann sagen, dass wir Ehrenamtler hier Freunde sind, dass wir uns voll aufeinander verlassen können. Allerdings ist es auch für uns schwer, den Stamm der Ehrenamtlichen zu halten oder gar auszubauen.
Es sind schon besondere Menschen, die sich bereits vormittags treffen, alles vorbereiten, damit andere am Nachmittag ein paar schöne Stunden haben. U.a. zu unseren Tanznachmittagen kamen zuletzt Besucher aus ganz Essen, aus Mülheim, Gelsenkirchen, Oberhausen und Dortmund. Darüber freuen wir uns, wir merken aber auch, dass bei 150 Besuchern echt Schluss ist, da kommen wir als Gastgeber einfach an unsere Grenzen.

Aktiv im Ehrenamt: „Ich schätze es,
für Menschen da zu sein.“

Wie belastend ist die derzeitige Situation für „Ihre“ AWO-Familie, da der Abschluss der Sanierungsarbeiten im Bürgerhaus auf sich warten lässt?
Für uns alle ist die Situation in höchstem Maße frustrierend; es fehlen uns auch einfach die Worte. Von Anfang an war klar, dass diese große Baumaßnahme nicht in dem geplanten Rahmen von einem Jahr abgewickelt werden konnte. Mittlerweile befinden wir uns aber im dritten Jahr! Nun hat die Verwaltung mitgeteilt, dass das Ende der Sanierungsarbeiten im Herbst bevorsteht. Für „meine“ AWO-Familie ist diese Aussage unglaubwürdig und lachhaft. Jeder, der sich die Baustelle angeschaut hat, kann das beim besten Willen nicht glauben.

Kein Ausweichraum im Stadtteil

Bürgerhaus Oststadt
Die Bürgerhaus-Sanierung sollte Anfang 2021 fertig sein. Neuer Termin ist laut Stadt jetzt der kommende Herbst. Zu Verzögerungen sei es wegen Kostenexplosion (1,4 Mio. geplant, über 4 Mio. Euro werden es wohl werden), Denkmalschutz, Ausschreibevorgaben, Altlasten etc. gekommen. MEIN KURIER war aktuell im Gebäude am Schultenweg, das einem Rohbau gleicht. Ob Senioren, Kids und Jugendliche sowie die AWO das Gebäude wirklich schon im Herbst wieder nutzen können, scheint mehr als fraglich.

Wie sehen Ihre nächsten Ziele aus?
In unserem Stadtteil Essen-Freisenbruch haben wir leider keine Möglichkeit, einen geeigneten Raum zu finden, der uns den Platz bietet, wieder bis zu 150 Besucher unterzubringen. Deshalb machen wir mit unseren Klönnachmittagen in kleinem Rahmen im Vereinshaus der benachbarten Kleingartenanlage weiter. Dort sind wir weiterhin ansprechbar, helfen bei Problemen und versuchen, auch hier ein wenig Geselligkeit zu vermitteln. Sollte die Verwaltung Recht behalten und im Herbst das Bürgerhaus wieder zur Verfügung stehen, stehe ich mit meinen hervorragenden Mitstreitern auch jeder noch so spontanen Herausforderung gegenüber. Wir wünschen uns von ganzem Herzen, wieder mit möglichst vielen Menschen fröhliche Begegnungen zu teilen.

Ehrenamtatlas – So engagiert sich NRW

Das ist buchstäblich unbezahlbar: Die Ehrenamtlichen in NRW leisten freiwillige Arbeit im Wert von 19,14 Milliarden Euro jährlich. Das geht aus dem „Ehrenamtatlas – So engagiert sich NRW“ hervor, den WestLotto auf der Basis einer aktuellen forsa-Umfrage erstellt hat.
Warum macht sich WestLotto für das Thema stark? Die Basis: Das Lotto-Prinzip! Gelder fließen über den Landeshaushalt an gemeinnützige Organisationen, die für eine lebenswerte und vielfältige Gesellschaft sorgen. Unverzichtbar sind die vielen tausend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich in den Organisationen heldenhaft für ihre Mitmenschen einsetzen und deren Engagement oft unerkannt bleibt. Aus diesem Grund setzt sich WestLotto für ein starkes Lotto-Prinzip und die Stärkung des Ehrenamtes in NRW ein. Die MEIN KURIER-Redaktion stellt die Aktivposten vor Ort – ihre Sorgen, Freuden und Projekte – vor. Den Ehrenamtatlas sowie Ergebnisse und Hintergründe zur repräsentativen forsa-Umfrage finden Sie hier: www.ehrenamtatlas.de

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