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19. August 2022
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StartNachrichtenEhrenamtatlas - So engagiert sich NRW: Andreas Dickmann (Aktion Kray, Naturschutzverein Volksgarten)

Ehrenamtatlas – So engagiert sich NRW: Andreas Dickmann (Aktion Kray, Naturschutzverein Volksgarten)

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Wer sich wie Andreas Dickmann in Kray gleich um mehrere Projekte ehrenamtlich kümmert, muss ein dickes Fell haben. Kritik gibt‘s oft, doch wie sieht es mit Unterstützung aus? Hat das Ehrenamt noch Zulauf? Wird dieses Engagement in Gesellschaft, Politik und Verwaltung wertgeschätzt? Wir haben nachgefragt.

Sie sind seit vielen Jahren 1. Vorsitzender des Initiativkreis Aktion-Kray und 2. Vorsitzender im Naturschutzverein Volksgarten. Was bedeutet Ihnen dieses ehrenamtliche Engagement?
In erster Linie die Bereitschaft und die Möglichkeit, viel Zeit zu investieren und ein lokales Netzwerk zu erstellen und zu pflegen. Dieses Netzwerk funktioniert bisher wirklich gut und schafft mittlerweile auch Zeitersparnis bei vielen Aktivitäten.
„Als Einzelkämpfer
wäre man verloren“
Man hat in einem Verein und jedem Stadtteil nur einen kleinen Prozentsatz von aktiven Menschen. Hier heißt es, gemeinsame Ziele finden und gute Mitstreiter. Es ist wichtig, dass dieses Team sich gut versteht und zueinander steht. Denn wer in seiner Freizeit eine ehrenamtliche Aufgabe übernimmt oder dessen Umsetzung mit unterstützt, muss auch Spaß daran haben und eine gute Zeit. Ein Einzelkämpfer ist hier schnell verloren.

Gibt es große Unterschiede in der Tätigkeit in diesen Ehrenämtern?
Bei der Aktion Kray handelt es sich ja um eine Gruppe Geschäftsleute. Das gemeinsame Ziel ist ganz klar auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Auch wenn viele soziale Projekte durchgeführt werden, bleibt der Fokus auf der Verbesserung der Einkaufssituation. Da spielen Sicherheit, Sauberkeit, Parkplätze, Brancenmix, Leerstand, Verkehr die Hauptrolle. Wir versuchen den lokalen Handel zu stärken und das Umdenken in die Köpfe der Käufer zu bekommen. Kundenbindung kann natürlich auch über Unterstützung von sozialen Projekten oder die Unterstützung von Vereinen gehen. Beim NVV liegen die Ziele tatsächlich ganz anders. Hier geht es um Natur, Freizeit, den schönen Krayer Volksgarten und was darin passiert. Hier ist viel aktiver Einsatz gefragt, es müssen viele Informationen vermittelt werden. Hier werden Umweltbildung für Groß und Klein, Integration und Inklusion gelebt und vermittelt. In Beiden Fällen hat man viel mit der Politik zu tun. Genau an dieser Stelle gibt es dann sicher viele Schnittpunkte oder zumindest von beiden Vereinen die gleichen Ansprechpartner.

Wie sieht es mit dem Zulauf an Engagierten aus – melden sich neue Interessenten fürs Ehrenamt?
Beim der Aktion Kray ist es überraschend schwer, neue Mitglieder zu bekommen. Viele Inhaber von Geschäften haben nach einem 12 bis 14 Stundentag einfach genug und sind nicht bereit, darüber hinaus etwas zu machen. Trotzdem findet man die Aktionen durchaus gut. Wir werden in der nächsten Zeit noch einmal an viele Betriebe herangehen und klar vor Augen führen, was passiert, wenn keiner mehr etwas macht. Denn Weihnachtsbeleuchtung, Blumenampeln, Stromkästen bemalen, Stadtteilfeste durchführen und vieles mehr kann nur funktionieren, wenn es von (fast) allen getragen wird.
Der Naturschutzverein steht tatsächlich seit vielen Jahren mit konstanten und sogar mit steigenden Mitgliederzahlen als Ausnahmeverein da. Naturschutz interessiert und weil wir für alle Altersgruppen Angebote haben, ist das auch ein guter Zulauf. Alleine die Kindergruppe + Nature Kids Kray platzt jedes Jahr mit 25 Kinder aus allen Nähten. Manche Kinder bleiben, manche Eltern bleiben und bei gemeinsamen Aktionen macht es auch allen Spaß. Auch hier ist ein Team im Vorstand, das sehr gut zusammenarbeitet und eine gute Vorsitzende, die nach außen die Ergebnisse repräsentiert.

Wird das Ehrenamt genügend anerkannt, unterstützt und vor allem: wertgeschätzt?
NEIN – oft hat man den Eindruck, dass es mehr eine Beschäftigungstherapie ist. Besonders in der Zusammenarbeit mit der städtischen Verwaltung kommen oft keine oder sehr schlechte Ergebnisse heraus. Es geht nicht darum, etwas zu bezahlen. Es geht darum, Schranken und Hindernisse abzubauen, um etwas zu erreichen. Erfreulicherweise ist die Zusammenarbeit mit der Bezirksvertretung VII sehr gut. Hier wird überparteilich für den Bezirk gearbeitet und man kommt gemeinsam oft zu sehr guten Ergebnissen. In der Bevölkerung sieht es auch anders aus. Besonders ältere Menschen haben sehr wohl einen Blick dafür, wer etwas im Stadtteil macht und wer sich einsetzt.
Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf – wie können Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik bessere Rahmenbedingungen für das Engagement im Ehrenamt schaffen?
Es gibt mittlerweile im Stadtteil Kray starke Netzwerke und gute Projekte. Wenn man sich mit dem Willen an einen Tisch setzt, wirklich gemeinsam etwas zu erreichen, dann muss man auch ein- bis zweimal an einen Tisch. Projekte, die konkret angegangen werden und evtl. von der Stadtspitze unterstützt werden, haben auch eine Chance in der Umsetzung. Ansonsten muss es allen gelingen, den Spaß am Ehrenamt und am gemeinsam Geschafften zu wecken.
„Engagement muss
auch Spaß machen“
Manchmal geht das mit gemeinsamen Feiern, manchmal durch die Bewältigung einer Notlage (siehe Sturmtief Ela), manchmal auch durch das Zulassen neuer Ideen.

HINTERGRUND

Das ist buchstäblich unbezahlbar: Die Ehrenamtlichen in NRW leisten freiwillige Arbeit im Wert von 19,14 Milliarden Euro jährlich. Das geht aus dem „Ehrenamtatlas – So engagiert sich NRW“ hervor, den WestLotto auf der Basis einer aktuellen forsa-Umfrage erstellt hat.
Warum macht sich WestLotto für das Thema stark? Die Basis: Das Lotto-Prinzip! Gelder fließen über den Landeshaushalt an gemeinnützige Organisationen, die für eine lebenswerte und vielfältige Gesellschaft sorgen. Unverzichtbar sind die vielen tausend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich in den Organisationen heldenhaft für ihre Mitmenschen einsetzen und deren Engagement oft unerkannt bleibt. Aus diesem Grund setzt sich WestLotto für ein starkes Lotto-Prinzip und die Stärkung des Ehrenamtes in NRW ein.
Die MEIN KURIER-Redaktion stellt die Aktivposten vor Ort – ihre Sorgen, Freuden und Projekte – vor. Den Ehrenamtatlas sowie Ergebnisse und Hintergründe zur repräsentativen forsa-Umfrage finden Sie hier: www.
ehrenamtatlas.de

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